|
Beiträge zum Thema: Wissenschaftstheorie
|
|
Stichwort
Wissenschaft als perspektivische Beschreibung
|
Verfasser:
Werner Mikus
|
|
Peter Bieri (FU Berlin / Analytischer Philosoph) sagte kürzlich in einem Interview:
[Es ist so,] dass wir die Dinge, die uns in der Welt begegnen, auf ganz unterschiedliche Art
beschreiben können. Diese Beschreibungsweisen dienen verschiedenen Zwecken und
stehen zueinander nicht in Konkurrenz. Denken Sie an ein Gemälde an der Wand. Sie
können darüber als Gegenstand mit physikalischen und chemischen Eigenschaften
reden. Sie können aber auch darüber sprechen, was es darstellt, was es ästhetisch taugt
und was es kostet. Wir können uns, wie der Chirurg, in der Sprache der Anatomie oder
Physiologie als bloße Körper beschreiben, und wir können uns in der Sprache des Geistes
als Personen beschreiben.
Keine Beschreibungsweise ist in sich richtiger als die andere, keine ist zugunsten der
anderen aufhebbar. Nur Naturwissenschaftler neigen zu der Überzeugung, dass sie
die eigentliche Wirklichkeit beschreiben - das, was wirklich wirklich ist. Aber das ist ein
Mythos.
[...]
auf der Ebene des Gehirns ist gar nichts entschieden, dort kann sich gar nichts
entscheiden. Dort gibt es physikalische Aktivitätsmuster und chemische Prozesse,
sonst nichts. Es ist ein Fehler, in die neurobiologische Rede über das Gehirn einen Begriff
wie entscheiden aus der Sprache des Geistes einzuschmuggeln. Denn wenn man es tut,
macht man das Gehirn, ohne es zu wollen, zu einem Homunkulus, also einer kleinen
Person in der großen Person.
Kommentar von mir
Klarer kann man es kaum sagen!
Ich finde es großartig, wie klar und verständlich sich hier Peter Bieri für eine
bildperspektivische Wissenschaft ausspricht statt sich am mainstream des letzten
Jahrhunderts so oder so zu affizieren. Er vertritt in dem Interview ungemein klar und sich
jeder Polemik enthaltend den Standpunkt einer Wissenschaft, die in unsere Zeit passt - mit
ihrem Ernstnehmen der paradoxen Zusammenhänge und Eigengesetzlichkeiten.
Bewundernswert!
Liebe Grüße
Werner Mikus
P.S.
Bieri (Interviewt von Gregor Dotzauer) ist 1944 in Bern geboren.
Studium der Philosophie, Anglistik, Klassischen Philologie und Indologie. Seit 1993
Lehrstuhl für Sprachphilosophie und Analytische Philosophie an der FU Berlin.
Mitbegründer des Forschungsschwerpunkts Kognition und Gehirn bei der DFG.
1991 veröffentlichte er bei Hanser die Studie „Das Handwerk der Freiheit“ –
Über die Entdeckung des eigenen Willens, ein Buch, das ganz ohne Fußnoten und
philosophischen Jargon auskommt.
| bearbeiten
|
|
|
|
Stichwort
Wirklichkeit mit Modellen konfrontieren
|
Verfasser:
P.A. Radocks
|
|
Wissenschaft konfrontiert wirklichkeit mit modellen. Aber modellen wirken nicht
nur über tests oder experiments, also indirekt, sondern sie wirken *instantan*, das meint,
sie wirken sich direkt und ohne ein "medium dazischen" auf die antworten aus, die
aus der realität kommen.
Hier gibt es das phänomen der gleichzeitigkeit ähnlich zu der erfahrung in der
quantenphysik (zeitlose "Übertragung" einer Richtungsinformation bei zusammenbruch der
wahrscheinlichkeitswelle im augenblick der realisierung des einen von zwei aufeinander
bezogenen teilchens und spins).
y.s.
|
Stichwort
Beispiel Traumtheorie
|
Verfasser:
|
|
Ein kurzes Zitat zum Problem der psychologischen Wissenschaft, dass sich wohl auch in
Bezug auf andere seelische Leistungen als die Traumtätigkeit setzen lässt; S. Freud "Die
Traumdeutung", Kapitel "Die wissenschaftliche Literatur der Traumprobleme", 1900:
Mit dem Eindringen naturwissenschaftlicher Denkweise ist eine Reaktion in der
Würdigung des Traumes einhergegangen. Gerade die ärztlichen Autoren sind am ehesten
geneigt, die psychische Tätigkeit im Traume für geringfügig und wertlos anzuschlagen,
während Philosophen und nicht zünftige Beobachter - Amateurpsychologen -, deren
Beiträge gerade auf diesem Gebiete nicht zu vernachlässigen sind, im besseren
Einvernehmen mit den Ahnungen des Volkes, meist an dem psychischen Wert der Träume
festgehalten haben. Wer zur Geringschätzung der psychischen Leistung im Traume
neigt, der bevorzugt begreiflicherweise in der Traumätiologie die somatischen
Reizquellen; [...]
Können Fragen der psychologischen Wissenschaft überhaupt mit Mitteln der
Naturwissenschaften, z.B. Problem der 'Validierung', beantwortet werden?
|
|
|
|
Gesellschaft für Entwicklungstherapie © 2004 | Impressum
|